Grenzkontrollen im Fokus: Gericht rügt Berlin, Schweitzer warnt, Dobrindt hält Kurs

30.04.2026


Deutschland und Luxemburg beenden die festen Grenzkontrollen auf der Autobahn 64 bei Trier. Darauf einigten sich der luxemburgische Innenminister Léon Gloden und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am Rande eines Treffens deutschsprachiger Innenminister in Luxemburg. Die Anlagen an der deutsch-luxemburgischen Grenze sollen abgebaut und durch mobile Kontrollen in Grenznähe ersetzt werden. Anlass ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz, das die bislang praktizierten Kontrollen als Verstoß gegen den Schengener Grenzkodex eingestuft hat.

Das Gericht hatte Grenzkontrollen, die Deutschland im vergangenen Jahr an der Grenze zu Luxemburg eingeführt hatte, für rechtswidrig erklärt. Die Bundesrepublik habe nicht hinreichend dargelegt, dass die von ihr angeführte Bedrohungslage durch eine hohe Zahl unerlaubter Migrationsbewegungen tatsächlich eine plötzliche Entwicklung gewesen sei, entschieden die Richter. Geklagt hatte ein deutscher Staatsbürger, der aus beruflichen Gründen regelmäßig zwischen beiden Ländern pendelt und die Maßnahme als Verstoß gegen das Schengener Abkommen wertete. Die Kontrollen waren von März bis September 2025 in Kraft; gegen das Urteil kann der Bund Berufung einlegen.

Innenminister Dobrindt kündigte an, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Die seit September 2024 an allen deutschen Außengrenzen wiedereingeführten Grenzkontrollen würden "weitergeführt, solange wir dies für notwendig erachten", sagte er. Gleichzeitig reagiert Berlin mit der Umstellung auf mobile Kontrollen an der Luxemburg-Grenze auf die Koblenzer Entscheidung: Künftig sollen Überprüfungen nahe des Parkplatzes Markusbierg stattfinden, ähnlich wie bereits an der Saar-Autobahn hinter der Brücke in Schengen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer nutzte das Urteil für eine grundsätzliche Kritik an Dauermaßnahmen an Binnengrenzen. Rheinland-Pfalz sei "ein Land im Herzen von Europa", sagte der SPD-Politiker und warnte, dauerhafte Grenzkontrollen widersprächen dem Geist des Zusammenlebens in der Grenzregion und beeinträchtigten den Wirtschaftsstandort erheblich. Zwar räumte er ein, dass zeitlich befristete Kontrollen in der Vergangenheit sinnvoll gewesen seien. Angesichts seit längerer Zeit sinkender Flüchtlingszahlen müsse die Fortsetzung jedoch strikt an Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit gemessen werden.

Mit dem Ende der festen Kontrollstellen auf der A64 und der angekündigten Berufung gegen das Koblenzer Urteil steht das deutsche Grenzregime an den Binnengrenzen vor einer Neujustierung. Während Luxemburg auf einen möglichst reibungslosen Grenzverkehr im Sinne des Schengener Raums drängt, versucht die Bundesregierung, sicherheitspolitische Interessen mit europarechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen – und gerät dabei zunehmend in die Kritik von Regionen, die besonders stark vom grenzüberschreitenden Alltag und Handel abhängen.

Standort Kroatien und Programm CORE sorgen bei FACC für Gewinnschub

30.04.2026


Der österreichische Luftfahrtzulieferer FACC hat das vergangene Geschäftsjahr mit Rekordwerten abgeschlossen und stellt nach einer Phase des Zurückhaltens die Weichen für eine Rückkehr zur Dividendenzahlung. Der Umsatz kletterte auf 984,4 Millionen Euro, ein Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis (EBIT) legte nahezu 50 Prozent auf 42,3 Millionen Euro zu. An der Börse kamen die Zahlen gut an, die Aktie gewann im Zuge der Veröffentlichung knapp vier Prozent.

Tragende Säule der verbesserten Profitabilität ist ein konzernweites Effizienzprogramm mit dem Namen CORE, das in allen drei Divisionen umgesetzt wurde. Laut Unternehmen hat insbesondere der kroatische Standort, an dem Kabinenkomponenten gefertigt werden, durch Skaleneffekte deutlich zur Ergebnisverbesserung beigetragen. FACC verfolgt damit erkennbar die Doppelstrategie, die Produktionsbasis auszuweiten und gleichzeitig die Marge zu erhöhen.

Vor diesem Hintergrund plant der Vorstand die Wiederaufnahme der Ausschüttung an die Aktionäre. Vorgeschlagen ist eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie, über die auf der Hauptversammlung im Mai 2026 abgestimmt werden soll. Parallel dazu kündigt FACC eine Investitionsoffensive von rund 350 Millionen Euro für die kommenden Jahre an. Ein zentrales Vorhaben ist der Bau eines neuen, hochautomatisierten Werks in St. Martin im Innkreis, in das etwa 120 Millionen Euro fließen sollen und mit dem die Produktionskapazitäten für Strukturbauteile verdoppelt werden sollen.

Die strategische Ausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund eines grundlegenden technologischen Wandels in der Luftfahrt. Branchenweit gewinnen nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF), Wasserstoff-, elektrische und hybride Antriebe an Bedeutung, wie das mehrjährige Forschungsprojekt "EXACT – studies of sustainable aviation" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstreicht. Für Zulieferer wie FACC bedeutet dies, ihre Technologiebasis und Fertigungskapazitäten so auszurichten, dass sie künftige Flugzeuggenerationen mit leichteren, effizienteren Struktur- und Kabinenkomponenten bedienen können. Die aktuelle Ergebnisdynamik und die geplanten Investitionen verschaffen dem Unternehmen finanziellen und industriellen Spielraum, um in dieser nächsten Phase der Luftfahrtära eine aktive Rolle zu spielen.